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Presse
12.08.2010, 11:22 Uhr | Starkenburger Echo Übersicht | Drucken
Zum Abschied bei Fledermaus und Co.

Natur: Die scheidende Umweltministerin Silke Lautenschläger übergibt Auszeichnung an Naturschutzzentrum Bergstraße


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Garten mit Ausblick: Das Naturschutzzentrum Bergstraße am Erlachsee in Bensheim besuchte Umweltministerin Silke Lautenschläger (Zweite von rechts) gestern bei ihrer Abschiedsreise durch Hessen. Das Zentrum darf sich nun auch offiziell „fledermausfreundlic
Bei ihrer Abschiedsreise als hessische Umweltministerin hat Silke Lautenschläger (CDU) gestern Morgen Station am Naturschutzzentrum Bergstraße gemacht. Sie zeichnete das 2004 während des Hessentags in Heppenheim eingeweihte Zentrum am Erlachsee als fledermaus freundliches Haus aus. Die Auszeichnung demonstriere, dass Wärmedämmung und Artenschutz kein Gegensatz sein müssten, betonte der Beiratsvorsitzende des Naturschutzzentrums und Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. Obwohl das Gebäude auf Niedrigenergiestandard gedämmt wurde, wurden Schlupflöcher für Vögel und Fledermäuse offen gelassen.

Sie wolle auf der letzten Reise als Ministerin noch einmal deutlich machen, was Naturschutz bedeute, sagte Lautenschläger. In Bensheim gehe es um den klassischen Aspekt der Umweltbildung für die nächste Generation. Als Geschenk brachte sie Geld für eine Kelter mit, mit der das Obst der Streuobstwiesen künftig verarbeitet werden soll. Nach dem Termin in Bensheim fuhr sie in die Rhön, um dort Pläne vorzustellen, wie der Unesco-Titel ,,Biosphärenreservat" erhalten werden soll. Unter anderem durch die Umwandlung von Staatsforst sollen die von Menschen unberührten Kernzonen auf drei Prozent der Fläche erweitert werden.

Lautenschläger, mit 41 Jahren noch immer jüngste Ministerin im Landeskabinett, überraschte im Mai mit der Ankündigung ihres Rücktritts parallel zu dem ihres Mentors, Ministerpräsident Roland Koch. Beide sowie der ebenfalls ausscheidende Finanzminister Karlheinz Weimar (alle CDU) legen Ende des Monats die Ämter nieder. Lautenschläger war seit Februar 2009 Umweltministerin; zuvor war sie seit 2001 Sozialministerin in Hessen.

Der Bensheimer Bürgermeister Thorsten Herrmann (CDU), gleichzeitig Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Zentrums, sah den Abschiedsbesuch denn auch mit ,,einem lachenden und weinenden Auge". Er lobte die große Kompetenz der Ministerin und schenkte ihr einen essbaren Igel mit Frucht-Käse-Spießen, den dann Ferienspielkinder vertilgten. Auch Lautenschläger habe ,,schon mal die Stacheln nach außen gerichtet", wenn ihr etwas wichtig gewesen sei, sei dabei aber immer sympathisch geblieben, so Herrmann. Auch der Erste Kreisbeigeordnete Thomas Metz (CDU) dankte Lautenschläger für ihre Unterstützung, beispielsweise bei einem Pilotprojekt zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Stephan lobte den Einsatz der Ministerin für die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes, für mehr Einfluss von Windenergie trotz Gegenwinds, vor allem aber ihre Entscheidung, auf einen Gifteinsatz gegen Maikäfer in diesem Jahr zu verzichten. Diese überraschende und schwierige Entscheidung habe sich im Nachhinein als richtig erwiesen, so Stephan: Bei einem Besuch von CDU- und FDP-Landtagsabgeordneten im Lampertheimer Wald im Juli erfuhren diese, dass ein kalter Winter und ein nasser Mai den Maikäferflug offenbar ganz ohne Gift verringert haben. ,,Was Dich auszeichnet, ist der Mut, andere Entscheidungen zu treffen und nicht immer das zu machen, was man schon seit Generationen gemacht hat", gab der Abgeordnete Lautenschläger mit auf den Weg.
Auch Eppler befand, die Naturschutzverbände hätten gut mit der Ministerin zusammengearbeitet, ,,nicht nur bei der Maikäferplage", auch wenn das nach außen nicht immer ,,so rausgekommen" sei.

Anschließend stellte Eppler das von Naturschutzverbänden, der Stadt Bensheim und dem Kreis getragene Zentrum bei einem Rundgang vor. Im Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald firmiert es nun als ,,umweltpädagogische Station". Das Zentrum hat unter anderem einen eigenen Garten, in dem Kinder beispielsweise Tomaten und Zucchini anbauen, ernten und selbst verarbeiten können, einen Teich, in dem Frösche und Molche auch mal angefasst werden dürfen und einen kleinen Weinberg mit resistenten Regent- und Johanniter-Rebstöcken.
Ständig kommt etwas Neues dazu: aktuell eine von der Firma Streit gesponserte Überdachung für eine Feuerstelle. In einem vor zwei Jahren auf einem Strommast befestigten Nistkasten für Wanderfalken ist dieses Jahr erstmals ein Junges ausgeflogen, so Eppler.
,,Das ist eine tolle Einrichtung, ideal gewählt mit dem Gelände dazu", lobte Lautenschläger zum Abschied. Herrmann lud sie vorsorglich bereits zum zehnten Geburtstag des Zentrums beim Hessentag 2014 in Bensheim ein.
Wer der Ministerin ab September im Amt nachfolgen wird, ist noch nicht bekannt. Sie strebe einen Wechsel in die Wirtschaft an, sagte die Juristin. Genaueres wisse sie noch nicht. Das Abgeordnetenmandat will sie vorerst behalten. Doch nach Bensheim werde sie auch nach ihrer Ministerzeit weiter gerne kommen, betonte die Modautalerin.
 
 

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